Weniger Hygienemüll

Wir leben in einer Zeit eines neu erwachten Umweltbewusstseins. Dank des Einflusses so einiger Klimaaktivisten beginnt sich nun auch in den Köpfen so mancher Leute auch festgefahrene alte Prinzipien zu regen und ein Umdenken erscheint endlich möglich. Ich habe mich daher gefragt, wie betrifft dieser Trend nun uns Frauen. Und da fiel mir, auch im Hinblick auf die wachsenden Müllberge und die zunehmende Vermüllung der Weltmeere ein, dass wir ja jeden Monat eine ganze Menge Hygienemüll produzieren.

Wie ich schon in einem vorherigen Post zum Thema Hypermenorrhoe schrieb, liegt die durchschnittliche Menge an Menstruationsblut bei ca. 40 ml im Monat. Dies würde einem Verbrauch von 8 Tampons pro Monat entsprechen. Da aber jede 3. Frau zumindest zeitweise eine viel stärkere Blutung aufweist, läppert sich da schnell eine große Menge an Tampons und Binden zusammen. Viele benutzen ja gerne die “double protection-Methode”, also Tampon und Binden gemeinsam, damit ja nichts daneben geht. Und bei einer starken Blutung verbraucht frau dann auch mal gerne 8 Tampons am Tag.

Eine interessante Alternative stellen die Menstruationstassen dar. Ich habe sie selber schon während meiner Wanderungen auf dem Camino del Norte verwendet und mich hat vor allem der Tragekomfort und die lange Liegedauer überzeugt. So ein Tamponwechsel im Wald ist ja nicht gerade angenehm und dann immer das Problem der Entsorgung. Auf dem Rücken zählt ja jedes Gramm und das Letzte was man möchte ist unnötigen Müll mitzuschleppen oder einen großen Vorrat an Binden und Tampons. Insofern war die Menstruationstasse eine echte Bereicherung.

Neu sind die Menstruationstassen, die auch gerne Mondtassen genannt werden nicht. Die erste “menstrual cup” wurde bereits 1937 von der Amerikanerin Leona Chalmers erfunden. Sie können bis zu 48 ml Flüssigkeit aufnehmen und es gibt Modelle, die mehrfach bis zu 10 Jahre verwendet werden können aber es gibt auch Einwegartikel. Diese widersprechen dann aber dem Umweltgedanken. Meist werden sie aus medizinischem Silikon hergestellt, aber es gibt auch Modelle aus Latex oder thermoplastischen Elastomer (TPE). Dies solltest du, falls du eine Latexallergie hast beachten.

Anwendung ist einfach

Es ist ein kleiner Becher aus weichem, anschmiegsamen Silikon, der zusammengefaltet und wie ein Tampon in die Vagina eingeführt wird. Nachdem sich der Becher dann entfaltet hat, fängt er sehr zuverlässig das Blut auf. Je nach Blutungsstärke wird nach einigen Stunden der Becher am Griff wieder aus der Vagina entfernt und kurz ausgespült. Danach kann er wieder nach guter Händehygiene zur weiteren Anwendung eingesetzt werden.

Es ist einfach praktisch.

Die Vorteile dieser Art der Monatshygiene liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand. Es ist eine einfache, praktische, hygienische und umweltfreundliche Alternative zum Tampon. Je nach Blutungsstärke amortisiert sich die Anschaffung sehr schnell und man spart langfristig auch bares Geld, denn die Menstruationstasse kann über mehrere Jahre verwendet werden. Man kann sie gut im meist mitgelieferten Stoffbeutelchen verstauen und immer mit sich führen.

Vorteile:

  • Anwendung ist überall möglich, beim Sport sowie auf Reisen (Trekking)
  • Keine Austrocknung der Scheidenflora und damit weniger Infektionen
  • Weniger unangenehme Gerüche, da weniger Sauerstoff zum Blut gelangt und es nicht so schnell oxidiert
  • Unsichtbarer Schutz ohne Rückholfädchen, also auch in der Sauna problemlos
  • Gutes Fassungsvermögen, daher länger tragbar als Tampons oder Binden
  • Blutverlust ist besser zu beurteilen
  • Weniger Müll und weniger Bevorratung von Tampons in der Handtasche
  • Umweltgerecht, da unnötiger Müll eingespart wird
  • Kostengünstige Alternative bei sachgemäßem Gebrauch und Pflege

Nachteile:

  • Trennung von WC und Waschbecken kann das Reinigen unangenehm gestalten (wer möchte schon Zuschauer?) Abhilfe kann da das Auswischen mit Toilettenpapier bringen oder du hast eine kleine Flasche Wasser in der Handtasche.

Welches Modell ist für mich das Richtige?

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Modellen auf dem Markt. Dabei ist es egal, ob man schon Kinder geboren hat oder nicht. Solltest du eine schwache Beckenbodenmuskulatur haben und dir ist schon mal ein Tampon rausgerutscht, solltest du lieber ein größeres Modell auswählen. Wenn du dir unsicher bist, welches Modell für dich passend ist, wird dir auch deine Frauenärztin helfen können.

Wie funktioniert das Einsetzen?

  1. Vor dem ersten Einsetzen sollte die Menstruationstasse in einem Topf mit kochendem Wasser für mindestens 5 min sterilisiert werden.
  2. Hände vor jedem Einsetzen und Entfernen gut mit Seife waschen, du möchtest ja unnötige Infektionen vermeiden.
  3. Die Menstruationstasse C-förmig zusammenfalten, einfach flach drücken und dann in der Mitte zusammenfalten (siehe Bild oben).
  4. Suche dir eine entspannte Position. Wenn du bereits Erfahrung mit dem Einsetzen eines Tampons hast, wirst du die für dich geeignete Position kennen. Mit einem Fuss auf der Toilette geht es meist sehr gut.
  5. Die Tasse so einsetzen, dass sie ca. 2-3 cm über dem Eingang der Vagina liegt. Die Tasse einmal drehen, so klappt die Entfaltung meist sicher. Finger lösen und Sitz auf mögliche Faltenbildung überprüfen und ggf. durch Drehen und Streichen entfernen.
  6. Je nach Blutungsstärke sollte die Tasse alle 4-12 Stunden entfernt werden. Also wieder Hände waschen.
  7. Das untere Ende der Tasse leicht zusammendrücken, damit sich der Unterdruck lösen kann. Mit leichten Seit-zu-Seit-Bewegungen lässt sich die Tasse nun gut entfernen.
  8. Den Tasseninhalt kannst du in der Toilette entleeren. Danach die Tasse unter fließendem Wasser reinigen und wieder einsetzen.
  9. Nach Abschluss der Menstruation die Tasse nochmals in Wasser sterilisieren und im beigelegten Beutel bis zum nächsten Gebrauch aufbewahrt.

Bloß keinen Stress machen … Übung macht den Meister.

Nun, vielleicht ist die Menstruationstasse ja auch eine Alternative für dich und die Umwelt dankt es dir!

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