Vitaminmangel durch Pille

Die meisten Frauen in Deutschland verhüten mit einem oralen Kontrazeptivum oder einfacher gesagt mit der Pille. Doch vielen ist nicht bewusst, dass die Pille neben der verhütenden Wirkung auch noch andere weitreichende Wirkungen im Körper hat. Gut, du wirst noch wissen, dass die Wirkung bei gleichzeitiger Antibiotikaeinnahme eingeschränkt ist und manch andere Medikamente die Wirksamkeit beeinflussen können. Aber wusstest du auch, dass alleine durch Pilleneinnahme der Gehalt einiger Vitamine in deinem Körper negativ beeinflusst wird?

Am deutlichsten ist der Einfluss der Pille auf die Gruppe der B-Vitamine wie Folsäure und Vitamin B6, da sie deren Aufnahme und Verwertung im Körper hemmt. Als mögliche Nebenwirkungen steigt das Risiko für depressive Verstimmungen und Reizbarkeit. Doch es gibt noch ein weiteres bedeutsames Problem, wenn der Folsäurespiegel erniedrigt ist. Viele Frauen nehmen die Pille bis sie schwanger werden wollen. Wir Ärzte empfehlen dann ja oft schon im Vorfeld Folsäure und Jod zu nehmen, um das Risiko von Neuralrohrdefekten beim Kind zu vermeiden. Der Folsäuremangel lässt sich leider aber nicht so schnell beheben, da braucht es meist schon 4-6 Wochen vor der geplanten Schwangerschaft, um auf einen vernünftigen Wert zu kommen. Das bedeutet erst Folsäure zu nehmen wenn die Schwangerschaft feststeht reicht nicht aus.

Da auch oft der Vitamin B12-Gehalt und Vitamin B2-Gehalt im Blut der Pilleneinnehmerinnen geringer ist kann es zu einem Anstieg von Homocystein kommen. Homocystein ist ein körpereigenes Stoffwechselprodukt, dass für den Körper einen Risikofaktor darstellen kann, wenn es sich anreichert. Es ist nicht nur ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern es hat auch einen direkten Einfluss auf die Harmonisierung unseres Neurotransmitterhaushaltes und hier insbesondere auf Dopamin und Serotonin, dem bekannten Glückshormon. Damit es aber umgehend aus der Zelle entsorgt werden kann benötigt man ausreichende Mengen an Vitamin B6 und Vitamin B12 sowie Folsäure.

Die Pille nimmt auch Einfluss auf den Magnesiumhaushalt. Du wirst den Magnesiummangel vermutlich kennen, wenn du schon mal Wadenkrämpfe hattest. Aber Magnesium kann noch weitaus mehr und ist in unserem Körper ein wichtiges Mineral. Gerade für uns Frauen. Es wird auch gerne als “Mineral der inneren Ruhe” bezeichnet, denn bei hoher Stressbelastung wird es in unserem Körper im Übermass verbraucht. Auch Magnesium spielt im Neurotransmitterstoffwechsel eine entscheidende Rolle, denn es hilft bei körpereigenen Umwandlung der Aminosäure L-Tryptophan in Serotonin. Dies ist eine wichtige Ursache für die Entstehung des sogenanntem “Prämenstruellem Syndroms”. Es bezeichnet die bei vielen Frauen wiederkehrenden Beschwerden vor und während ihrer Menstruation wie etwa Brustschmerzen, depressive Verstimmung, Migräne oder starke Reizbarkeit. Auch hier gibt es gute Therapieansätze durch eine entsprechende Zufuhr von Magnesium und B-Vitaminen.

Die Pille hat auch einen negativen Einfluß auf den Vitamin C in unserem Körper, da es zum einen die Verwertung in der Zelle stört und auch die Ausscheidung über die Nieren erhöht.

Nun, was sollte man also tun? Eine gesunde, vielseitige Mischkosternährung mit ausreichender Zufuhr von Gemüse und Obst wird hier schon sehr viel abdecken können. Wichtig wäre es bei Beschwerden wie gehäuften Wadenkrämpfen oder Beschwerden wie dem Prämenstruellen Syndrom einen Vitaminstatus bei deinem Arzt machen zu lassen, um gezielt Defizite ausgleichen zu können. Sollte eine Optimierung der Ernährung hier nicht ausreichend sein, können hier am besten in Absprache mit deinem Arzt gezielte Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden. Auch ein Gespräch mit deiner Frauenärztin über mögliche Alternativen zur Verhütung wäre sinnvoll.

Also, ich hoffe dir einen Denkanstoß für deinen nächsten Krebsvorsorgetermin geben zu können. Hormone können viel und bewirken auch viel und sind manchmal Fluch und Segen zugleich.

Ich wünsche dir eine stressfreie Zeit.

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